Mensch daheim, Wildschwein raus!

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Um die Ausbreitung des neuen Virus einzudämmen, verhängten viele Länder auf der ganzen Welt Abriegelungen oder schränkten die Mobilität der Menschen außerhalb ihres Wohnsitzes stark ein. Die Abriegelungen trugen zu einer Verbesserung der Luftqualität, saubereren Flüssen, weniger Lärmbelästigung, ungestörten natürlichen Lebensräumen und einer ruhigeren Tierwelt bei und führten zu einem Effekt, der als „Anthropause“ oder „große Pause“ bezeichnet wird. Die Krise hat sich nicht nur auf die Menschheit, sondern auch auf die Tierwelt weltweit ausgewirkt. Die ganze (menschliche) Welt hat aufgehört zu funktionieren, und das hatte erhebliche Auswirkungen auf die Natur und die Tierwelt, die sich ihr Territorium in den Städten und städtischen Gebieten wieder zurückerobert hat.

Wild boar in the cities

Wildschweine wachsne und gedeihen unter einer Vielzahl von Umweltbedingungen und sind weltweit weit verbreitet, auch wenn ihre physische Präsenz aufgrund ihrer versteckten Lebensweise und meist nächtlichen Aktivität von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt bleibt. Dennoch beeinflusst dieses große Säugetier die Ökosysteme in vielerlei Hinsicht und gilt als Ökosystemingenieur. Das Wildschwein ist ein Meister darin: Es hat sich „ausgebreitet“, indem es neue Lebensräume erkundet hat, die zuvor ausschließlich vom Menschen genutzt wurden, und es hat auch seine Aktivitäten in städtischen Umgebungen verstärkt. Normalerweise sind sie nachts aktiv, doch während des lockdowns tauchten sie auch tagsüber auf.

Und so haben wir Wildschwein-Notfälle in den Städten, aber auch in ländlichen und landwirtschaftlichen Gebieten und sogar in Schutzgebieten. Großstädte wie Rom, Barcelona oder Berlin haben bereits erlebt, was in den Medien als eine Art „Invasion“ dargestellt wurde.
Das Wildschwein ist ein Allesfresser, der sich von Pflanzen, Knollen und Wurzelstöcken (Zerstörung Gärten und Blumenbeeten) sowie von Regenwürmern, Insekten, kleinen Wirbeltieren und Eiern (Beeinflussung der Biodiversität der Tiere) ernährt. In stadtnahen und städtischen Gebieten findet die Art aber auch leichte Nahrung in Form von Abfällen. Sie können auch Überträger von Krankheitserregern sein, die auf Haus- und Nutztiere sowie auf Menschen übertragen werden können. All dies kann die Sorge um diese aufdringliche Präsenz während des lockdown erklären.

Eine verstärkte Präsenz von Wildschweinen in von Menschen bewohnten Gebieten könnte mehrere Gründe haben: verstärktes Populationswachstum durch verminderte Bejagung während der Pandemie und somit ein Vordringen in die Städte, besser Sichtbarkeit in bereits besidelten urbanen Räumen durch verstärkte Tagaktivität.

Die Jagd, die in den meisten Ländern die Haupttodesursache darstellt, wurde teilweise während des Lockdowns eingeschränkt. In einigen europäischen Ländern war die gemeinschaftliche Jagd zumindest zeitweise verboten, in anderen wurde sie durch andere Einschränkungen erschwert. Im Allgemeinen wurde jedoch der Jagddruck auf Wildschweine über viele Monate hinweg reduziert.

TDie Ausbreitung von Wildschweinen in von Menschen bewohnte Gebiete steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit einer allgemeinen zahlenmäßigen Zunahme (womöglich aufgrund einer geringeren Sterblichkeit während der Pandemiezeit).

Darüber hinaus wurde die Auswirkung des lockdown auf die verkehrsbedingte Sterblichkeit untersucht, und im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie (2018 und 2019) und der Pandemie (2020) war die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Tiere während des lockdown um etwa 50 % niedriger. Auf der Grundlage von Literaturdaten könnte dies bedeuten, dass zumindest Zehntausende von Tieren, darunter auch Wildschweine, landesweit überlebt haben.

Natürlich besteht auch die Gefahr gesundheitlicher Belange, da durch die Anwesenheit der Wildschweine die Exposition von Haustieren und Menschen gegenüber dieser potentiellen Überträger vieler wichtiger Infektionskrankheiten gestiegen ist.

Daher ist es wichtig, intensive Forschung zu möglichen demografischen und genetischen Auswirkungen dieses einzigartigen Phänomens zu betreiben: Wie maßhaltig waren die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf wild lebende Tiere? Wie hat sich der lockdown (die Anthropause) möglicherweise auf die demografischen Trends wild lebender Arten ausgewirkt?

Notfall oder nicht?

Das Vorkommen von Wildschweinen in anthropogenen Umgebungen wird auch durch tools wie iMammalia, die von jedem, der zufällig ein Tier in einem Garten wühlen oder aus einem Mülleimer fressen sieht, leicht verwendet werden können.

In diesem Zusammenhang können die Bürgerwissenschaften eine wichtige Rolle spielen, da sie eine kostengünstige und ansprechende Möglichkeit bietet, während und nach einem lockdown an mehreren Orten Daten zu sammeln.

Die aktuellen Einschränkungen großer Teile der Gesellschaft hat die Welt auf ein Niveau menschlicher Mobilität zurückgebracht, das noch vor wenigen Jahrzehnten zu beobachten war, und ermöglicht es den Forschern zu untersuchen, wie selbst kleine Veränderungen im menschlichen Verhalten dramatische positive Auswirkungen auf die Arten rund um den Globus haben können.

Wahrscheinlich waren die durch die Beschränkungen ausgelösten Veränderungen zu drastisch und plötzlich und dauerten nicht lange genug, um die Besiedlungsprozesse zu ermöglichen: keine Invasion also, sondern ein Beweis für die große Anpassungsfähigkeit und Flexibilität gegenüber Veränderungen und für ein widerstandsfähiges Verhalten gegenüber der Anwesenheit (oder Abwesenheit) des Menschen, die sich auf die Gewohnheiten einer wilden Art auswirkt.

NEW paper!
What happens to the #mammal community after a #wolf cull?

The 1st of a new series from #ACMELab:

Predator control alters wolf interactions with prey and competitor species over the diel cycle https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/oik.08821#.Yn52UZVxExk.twitter

2 outbreaks of #birdflu in 🦊 2 wild red foxes 🦊 were reported in Wisconsin, #USA 🇺🇸 via #WAHIS.

Bird flu 🦠 also affects some #mammals, detecting such cases is a sign of increased surveillance in #wildlife.

Consult the full report 👉 https://wahis.oie.int/#/report-info?reportId=53701

According to the World Health Organization, rats are already responsible for causing more than 400m infections in people each year spread through bites, the fleas they transport, urine and aerosols. More than 60 pathogens can infect humans🐀🐀🐀
https://www.telegraph.co.uk/global-health/climate-and-people/rise-of-the-rodent/

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